Wie eine evangelische Schule ukrainischen Flüchtlingen hilft

Präses beteiligt sich am Spendenlauf des Martin-Butzer-Gymnasiums

Dierdorf. Das Martin-Butzer-Gymnasium in Dierdorf (Rheinland-Pfalz) unterstützt mit vielen Projekten geflohene Kinder und Jugendliche aus der Ukraine. Präses Dr. Thorsten Latzel hat sich bei einem Besuch des Gymnasiums am Mittwoch, 4. Mai, selbst ein Bild von den vielseitigen Aktivitäten machen können.

Bis in den Sommer sammelt die gesamte Schule in Trägerschaft der Evangelischen Kirche im Rheinland Spenden für die Ukraine-Hilfe – zum Beispiel mit mehreren Kuchenverkäufen bei Schulveranstaltungen. Aber auch groß sichtbare Aktionen wie einen Spendenlauf hat die Schule veranstaltet. Dabei ist bei seinem Besuch auch der rheinische Präses mitgelaufen. Bei der Aktion suchen sich die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler einen Laufpaten, der bereit ist, pro gelaufene Runde auf dem Sportplatz einen bestimmten Betrag zu spenden. Das erlaufene Geld kommt dem Verein „Schüler helfen leben“ zugute, der schon länger in der Arbeit mit Geflüchteten aus Syrien aktiv ist und sein Engagement nun auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine ausgeweitet hat.

Präses Dr. Thorsten Latzel hat am Spendenlauf des Martin-Butzer-Gymnasiums in Dierdorf teilgenommen.

Ukrainische Schüler berichten von ihren Erfahrungen

Mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine ist Präses Dr. Thorsten Latzel bei seinem Besuch in Dierdorf auch ins Gespräch gekommen. Die Schülerinnen und Schüler sowie die Mutter einer Schülerin berichteten von ihren Erfahrungen auf der Flucht, nach der Ankunft in Deutschland und von der Situation ihrer Familien in der Ukraine. Mutter Dorina sagte: „Als meine Tochter sagte: ‚Mama, ich habe das Leben noch gar nicht gelebt‘, da haben wir den Entschluss gefasst, zu fliehen. Und jetzt sind wir so herzlich aufgenommen worden.“

Enger Austausch zwischen Schule und Kirchengemeinde

Dass die Aufnahme so gut geklappt hat, ist zu einem Teil auch dem Engagement der Gemeinde vor Ort um Pfarrer Patrique A. Koelmann zu verdanken. Insgesamt sieben Menschen, die aus der Ukraine geflohen sind, sind im Pfarrhaus untergekommen – darunter auch Kinder. Schule und Gemeinde tauschen sich auch regelmäßig über geistliche Angebote aus. So gab es zum Beispiel eine Andacht anlässlich der Ukraine-Krise, die an der Schule stattfand.

Im Alltag verständigen sich Schüler meist auf Englisch

Die insgesamt zehn Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine, die nun das Martin-Butzer-Gymnasium besuchen, sind ihrem Alter entsprechend einer Klasse zugeordnet und nehmen dort am regulären Unterricht teil. „Ich habe zwei Jahre in der Schule Deutsch gehabt“, berichtet Roman. Die Verständigung mit anderen Schülern im Alltag erfolge dann aber doch meist auf Englisch. Zu dem regulären Unterricht bietet die Schule dreimal die Woche einen Sprachkurs an, den alle Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine auch wahrnehmen. Der Kontakt zur Sprachlehrerin kam über das Presbyterium der Gemeinde in Dierdorf zustande.

Schülerinnen und Schüler des Martin-Butzer-Gymnasiums setzen sich mit Bannern für Frieden in der Ukraine ein

Viele Schüler müssen auch Stoff aus der Ukraine parallel nachholen

Für viele Schülerinnen und Schüler gibt es aktuell aber noch weitere schulische Herausforderungen, wie Daria Schwechtow berichtet, die selbst Ukrainisch spricht und so immer wieder als Dolmetscherin gefragt ist. „Die Schulen in der Ukraine begrüßen zwar, dass Schülerinnen und Schüler den Unterricht an deutschen Schulen besuchen, aber Prüfungen werden nicht 1:1 anerkannt“, sagt Schwechtow. Und so wählen sich einige der Schülerinnen und Schüler nach Schulschluss am Martin-Butzer-Gymnasium noch in Video-Konferenzen mit Lehrerinnen und Lehrern aus der Ukraine ein, um den Stoff des ukrainischen Lehrplans aufzuarbeiten.

Kontakte sollen auch in Friedenszeiten bestehen bleiben

Trotz der eigenen Erfahrungen und den Herausforderungen berichtete Schülerin Dorina aber auch über positive Erfahrungen: „In der Ukraine ist die Schule meist ernster. Hier gehen die Schülerinnen und Schüler mit einem Lächeln zur Schule und wieder nach Hause.“ Präses Dr. Thorsten Latzel sagte dazu: „Wir freuen uns, Schülerinnen und Schüler hier aufzunehmen und zu sehen, dass ihr in Sicherheit seid. Und wir können viel von euch lernen und hoffentlich bleiben die Kontakte auch in Friedenszeiten bestehen.“

Schüler verschicken Postkarten direkt an russische Regierung

Damit dieser Frieden möglichst schnell eintritt, hat das Gymnasium eine ganz besondere Aktion gestartet. Im April wurden insgesamt tausend Postkarten mit einer vorgefertigten Adresse gedruckt: der des Kremls, des russischen Regierungssitzes in Moskau. Schülerinnen und Schüler konnten die Karten gestalten und diese wurden dann gesammelt mit dem gemeinsamen Wunsch nach Frieden an die Adresse des russischen Präsidenten Wladimir Putin geschickt, der den Befehl zum Angriff auf die Ukraine gegeben hatte. Lesen Sie hier , wie Gemeinden und Gruppen der Evangelischen Kirche im Rheinland in der Ukraine-Hilfe aktiv sind.

  • 4.5.2022
  • Aaron Clamann
  • Aaron Clamann