Düsseldorf/Wiesbaden. Wie lässt sich der gesellschaftliche Zusammenhalt in unruhigen Zeiten stärken? Darüber haben sich die Hessische Landesregierung und die Leitungen der evangelischen Kirchen und katholischen Bistümer in Hessen bei ihrem traditionellen Spitzengespräch ausgetauscht. Angesichts wachsender gesellschaftlicher Spannungen wollen sie gemeinsam Orte der Verständigung stärken und demokratische Werte verteidigen.
„Wir leben in unruhigen und herausfordernden Zeiten. Gerade dann geben die Kirchen den Menschen Halt und Orientierung“, hob Ministerpräsident Boris Rhein beim Treffen, das am Montag, 14. September, in Wiesbaden stattfand, hervor. „In den 80 Jahren Landesgeschichte, die wir dieses Jahr feiern, haben sie gezeigt, warum sie so wichtig sind. Sie haben Hessen stark gemacht, erheben ihre Stimme für unsere freiheitliche Demokratie und setzen sich für eine menschliche und inklusive Gesellschaft ein“, würdigte er die Rolle der Kirchen. Der Ministerpräsident machte deutlich: „Wir brauchen Zusammenhalt statt Spaltung, Miteinander statt Gegeneinander.“ Der Austausch sei für ihn deshalb von großer Bedeutung, so Rhein: „Die Kirchen in Hessen sind verlässliche Konstanten. Nur im Dialog schaffen wir es, Hessen zusammenzuhalten. Dafür danke ich den Kirchen von Herzen.“
Bischöfin Hofmann: Wo Menschen ausgegrenzt werden, kann Kirche nicht schweigen
In ihrem Impuls als Vertreterin der evangelischen Kirchen hob auch Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, hervor, wie wichtig Orte der Verständigung seien. „Als Kirchen stärken wir Zusammenhalt und Gemeinschaft gegen alle Versuche, unsere Gesellschaft zu spalten und zu polarisieren.“ Zugleich markierte sie Grenzen im Blick auf rechtsextreme Positionen: „Wo Menschen abgewertet oder ausgegrenzt, demokratische Institutionen verächtlich gemacht und die Grundlagen unseres Zusammenlebens angegriffen werden, kann Kirche nicht schweigen.“ Auch bei knapper werdenden Ressourcen bleibe Kirche präsent, halte Räume offen und ermögliche Gemeinschaft, versprach die Bischöfin, insbesondere mit Blick auf den ländlichen Raum. „Menschen sollen erfahren: Ihr seid nicht vergessen. Deshalb stärken wir diejenigen, die sich kümmern. Das können wir nicht allein, das braucht eine breite Vernetzung von haupt- und ehrenamtlich Engagierten aus Kirche, Staat und Zivilgesellschaft.“
Bischof Gerber: Die Menschenwürde ist unverhandelbar
Für die katholischen Bistümer nahm auch der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber die Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens in den Blick. Er betonte: „Die Würde des Menschen verstehen wir als unverfügbare Gabe Gottes. Noch vor ihrer normativen Wirkung, als unbedingte Forderung, verstehen wir die Menschenwürde deskriptiv: als eine Beschreibung, was jedem Menschen zukommt, ohne jede Leistung, die er oder sie zu erbringen hätte, ohne zusätzliche Bedingung.“ Daraus leitete Gerber einen besonderen Auftrag für die Kirchen ab: „Wir werden als Kirchen künftig im gesellschaftlichen Diskurs verstärkt die Unterscheidung einbringen müssen zwischen dem, was auch bei sich wandelnden Mehrheiten prinzipiell unverfügbar bleibt, und dem, was zum Gestaltungsauftrag des Menschen gehört.“