6.12. – Nikolaustag

Am heutigen Nikolaustag bietet unser Adventskalender ein paar Informationen über „Nikolaus“, korrekter gesagt über Nikolaus von Myra (zusammengestellt aus verschiedenen Quellen, insbesondere Wikipedia).

Nikolaus

Nikolaus ist eine der bekanntesten Personen im christlich geprägten Umfeld. Von den katholischen Ost- und Westkirchen als Heiliger verehrt, ist er aber auch in den protestantisch geprägten Gebieten wohl bekannt, hier überwiegend als Geschenkebringer. Der 6. Dezember wird im gesamten Christentum als sein Gedenktag begangen und ist mit zahlreichen Bräuchen verbunden. Die Traditionen um Nikolaus gehen zurück auf Nikolaus von Myra. Myra – mittlerweile heißt es Demre – ist ein kleiner Ort etwa 90 km südwestlich von Antalya in der heutigen Türkei. Im 4. Jahrhundert war der Ort Bischofssitz, die Einwohner sprachen Griechisch.

Über das Leben des historischen Nikolaus von Myra gibt es nur wenige belegte Tatsachen. Berichte über Nikolaus’ Leben stammen z. B. von Andreas von Kreta (um 700) und von einem Mönch Johannes aus dem Studitenkloster in Konstantinopel, das im 5. Jahrhundert gegründet wurde. Nach übereinstimmenden Überlieferungen wurde Nikolaus zwischen 270 und 286 in Patara geboren; das war ein kleiner Ort ungefähr 60 km westlich von Myra (Demre), ebenfalls in der heutigen Türkei.

Der Überlieferung zufolge wurde er mit 19 Jahren von seinem Onkel Nikolaus, dem Bischof von Myra, zum Priester geweiht und dann Abt des Klosters Sion in der Nähe von Myra. Während der Christenverfolgung 310 soll er gefangen genommen und gefoltert worden sein.

Nikolaus wirkte in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts als Bischof von Myra. Sein griechischer Name Nikólaos bedeutet „Sieg des Volkes“ und war bereits in vorchristlicher Zeit gebräuchlich.

Andreas von Kreta (um 700) und Johannes vom Studitenkloster in Konstantinopel – das war eines der wichtigsten Klöster im Byzantinischen Reich, erbaut zwischen 453 und 463 – berichteten, Nikolaus habe am Konzil von Nicäa, das im Jahre 325 stattfand, teilgenommen und dort seinen Widersacher Arius geohrfeigt. Deshalb sei er zuerst verhaftet, gegen Ende des Konzils aber rehabilitiert worden. In der leider nur unvollständig überlieferten Unterzeichnerliste des Konzils von Nicäa ist Nikolaus zwar nicht genannt, aber der Bischof Theognis von Nicäa, den Nikolaus laut Andreas beim Konzil von der katholischen Sichtweise überzeugt haben soll, gehört zu den historisch belegten Unterzeichnern.

Sein ererbtes Vermögen verteilte Nikolaus unter den Notleidenden. Dies wird auch von den besser bezeugten Bischöfen des 4. Jahrhunderts Ambrosius von Mailand und Basilius von Caesarea berichtet und gilt dort als historische Tatsache.

Gestorben ist Nikolaus von Myra verschiedenen Angaben zufolge am 6. Dezember 326, 345, 351 oder 365, diesen Angaben zufolge ist er also entweder etwa 40 bis 56 oder 59 bis 95 Jahre alt geworden. Im Jahre 1957 fand eine forensische Untersuchung der Knochenreste unter Aufsicht einer päpstlichen Sonderkommission statt. Dabei wurde festgestellt, dass es sich um die Überreste eines 72 bis 80 Jahre alten Mannes handelt. Dies leitet zu dem Schluss, dass Nikolaus von Myra noch nicht im Jahr 326 gestorben ist.

Legenden

Um Nikolaus rankten sich im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Legenden, die allerdings nicht nur auf dem Leben des Bischofs von Myra basieren, sondern auch auf dem eines gleichnamigen Abtes des Klosters Sion bei Myra, der später Bischof in Pinara war.

Die hierzulande bekannteste Legende dürfte die sog. Mitgiftspende sein.

Mitgiftspende

Ein verarmter Mann beabsichtigte, seine drei Töchter zu Prostituierten zu machen, weil er sie mangels Mitgift nicht standesgemäß verheiraten konnte. Nikolaus, noch nicht Bischof und Erbe eines größeren Vermögens, erfuhr von der Notlage und warf in drei aufeinander folgenden Nächten je einen großen Goldklumpen durch das Fenster des Zimmers der drei Jungfrauen. In der dritten Nacht gelang es dem Vater, Nikolaus zu entdecken, ihn nach seinem Namen zu fragen und ihm dafür zu danken. Aufgrund dieser Legende wird Nikolaus oft mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln als ikonografischem Heiligenattribut dargestellt.

An den Küsten ist auch die Legende von der Stillung des Sturms bekannt.

Stillung des Seesturms

In Seenot geratene Seefahrer riefen in einem heftigen Sturm den „Heiligen Nikolaus“ an. Ihnen erschien ein mit Wunderkräften ausgestatteter Mann und übernahm die Navigation, setzte die Segel richtig und brachte sogar den Sturm zum Abflauen. Dann verschwand der Mann wieder. Als die Seeleute in der Kirche von Myra zum Dank für ihre Rettung beteten, erkannten sie Nikolaus und dankten ihm. Wegen dieser und ähnlicher Erzählungen wurde Nikolaus zum Patron der Seefahrer.

Brauchtum

Der „Nikolaustag“ ist mit vielen Bräuchen verbunden. Einige hingen ursprünglich mit der Zusammenstellung von Bibelabschnitten zusammen, die zur gottesdienstlichen Lesung bzw. Auslegung in der Predigt im Laufe des Kirchenjahres vorgesehen sind (sog. Perikopenordnung). Am 6. Dezember war das Gleichnis vom anvertrauten Vermögen verbindlich vorgesehen (Matthäus 25,14–30, dort ist von „Talenten“ die Rede, eigentlich ein altes Maß für Masse/Gewicht, im Gleichnis jedoch auch im Sinne von Geld, Gewinn und Zinsen zu verstehen). Der bekannte Brauch der Befragung der Kinder durch den Nikolaus, ob sie denn auch brav und fromm gewesen seien, geht auf dieses Gleichnis zurück.

In vielen Erzählvarianten beschenkt und lobt Nikolaus die guten Kinder, während er die bösen tadelte. Welche Kinder im letzten Jahr gut und welche böse waren, las er in seinem „goldenen Buch“.

Der Einlegebrauch, das Füllen der Schuhe in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember oder Ähnliches, basiert auf der Legende von den drei Jungfrauen, die nachts von Nikolaus beschenkt wurden. Ursprünglich war der Nikolaustag auch der Tag der Weihnachtsbescherung. In einigen Ländern ist er dies auch heute noch.

Schiffchensetzen“ nennt man den seit dem 15. Jahrhundert bekannten Brauch, aus Papier oder anderem Material Nikolausschiffe zu basteln, in die Nikolaus seine Gaben legen soll. Hintergrund für diesen Brauch dürfte das Schifferpatronat sein. Auch heute noch befinden sich auf vielen Handelsschiffen Bildnisse des „Heiligen Nikolaus“. Das Nikolausschiffchen wurde später durch Stiefel, Schuh oder Strumpf abgelöst, zu denen später noch der Gabenteller hinzukam.

In mittelalterlichen Klosterschulen gab es den Brauch, dass die Kinder sich am Nikolaustag einen „Kinderbischof“ aus ihren Reihen wählen durften. Nach dem Prinzip der „verkehrten Welt“ predigte er den Erwachsenen und durfte ihr Verhalten tadeln. An einigen Orten blieb er bis zum 28. Dezember, dem Tag der unschuldigen Kinder, im „Amt“.

Bräuche bei unseren Nachbarn

Der Kirchturm von St. Niklaus im Schweizer Kanton Wallis wird im Advent als Nikolausfigur dekoriert. Gemäß Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde handelt es sich dabei um die weltweit größte Nikolausfigur.

In Luxemburg füllt „Kleeschen“ am Abend vom 5. auf den 6. Dezember die Schuhe der Kinder mit Geschenken, vorwiegend mit Süßigkeiten und Früchten.

In den Niederlanden und weiten Teilen Flanderns kommt der Nikolaus (Sinterklaas) seit dem 15. Jahrhundert am 5. Dezember. Dieser Brauch übertrifft dort geschenkemäßig Weihnachten, wobei jedoch seit Ende des 20. Jahrhunderts Sinterklaas als Geschenkebringer „Konkurrenz“ durch den Weihnachtsmann (kerstman) bekommt.

  • Jürgen Ullrich